Bayern

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Bayern
Bay|ern; -s:
deutsches Bundesland.

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Bayern,
 
Freistaat Bayern, Land im S√ľden von Deutschland, mit 70 548 km2 das fl√§chenm√§√üig gr√∂√üte, mit (1999) 12,155 Mio. Einwohner nach der Bev√∂lkerungszahl (nach Nordrhein-Westfalen) das zweitgr√∂√üte, jedoch mit 172 Einwohner je km2 eines der d√ľnner besiedelten deutschen Bundesl√§nder. Bayern umfasst den Ostteil S√ľddeutschlands, grenzt im Osten an die Tschechische Republik, im Norden an Th√ľringen und Sachsen, im Westen an Hessen und Baden-W√ľrttemberg, im S√ľden an √Ėsterreich und hat im S√ľdwesten um Lindau Anteil am Bodensee. Hauptstadt ist M√ľnchen.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung vom 2. 12. 1946 liegt die gesetzgebende Gewalt beim Landtag (204 Mitglieder), der nach modifiziertem Verh√§ltniswahlrecht vom Volk f√ľr 4 Jahre gew√§hlt wird. Als beratendes Organ steht ihm der Senat (60 Mitglieder) zur Seite, dem von sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und kommunalen K√∂rperschaften entsandte Vertreter angeh√∂ren. An der Spitze der Staatsregierung steht der vom Landtag auf 4 Jahre gew√§hlte Ministerpr√§sident, der die Richtlinien der Politik bestimmt und mit Zustimmung des Landtages die Staatsminister und die Staatssekret√§re ernennt. Die Verfassung kennt die M√∂glichkeit von Volksbegehren und Volksentscheid, Verfassungs√§nderungen bed√ľrfen der Zustimmung durch das Volk.
 
 
Das kleine Staatswappen besteht aus dem seit 1242 traditionellen, zum Landeswappen gewordenen Familienwappen des Hauses Wittelsbach. Auf dem mit schr√§gen, in Silber und Blau gehaltenen Rauten (Wecken) versehenen Schild ruht eine Volkskrone. Das gro√üe Staatswappen (seit 1835), in seiner heutigen Form 1950 vom bayerischen Landtag beschlossen, ist in 4 Felder geteilt und weist zus√§tzlich das wei√ü-blaue Rautenschild als Herzschild auf. Die Felder zeigen den in Gold gehaltenen pf√§lzischen L√∂wen auf schwarzem Grund, den fr√§nkischen ¬ĽRechen¬ę (3 silberne Spitzen auf rotem Grund, die 3 fr√§nkische Regierungsbezirke von Bayern dokumentierend), den altbayerischen blauen ¬ĽPanther¬ę auf silbernem Grund und 3 √ľbereinander angeordnete schwarze L√∂wen auf goldenem Grund, die den schw√§bischen Teil von Bayern darstellen. Schildhalter sind zwei goldene L√∂wen.
 
 
Bayern ist in 7 Regierungsbezirke (Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken, Schwaben), diese sind in 71 Landkreise und 25 kreisfreie St√§dte, insgesamt in 2 051 Gemeinden gegliedert. Au√üerdem gibt es 18 regionale Planungsverb√§nde einschlie√ülich des gemeinsam mit Baden-W√ľrttemberg errichteten Regionalverbands Donau-Iller.
 
 
Die Rechtsprechung √ľben der Verfassungsgerichtshof (M√ľnchen), das Bayerische Oberste Landesgericht (M√ľnchen), 3 Oberlandesgerichte (M√ľnchen, Bamberg, N√ľrnberg), 21 Land- und 72 Amtsgerichte aus. Es gibt ferner die Landesarbeitsgerichte (M√ľnchen, N√ľrnberg) sowie 11 Arbeitsgerichte, das Landessozialgericht (M√ľnchen) und 7 Sozialgerichte, 2 Finanzgerichte, einen Verwaltungsgerichtshof (M√ľnchen) und 6 Verwaltungsgerichte.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Bayern erstreckt sich rd. 330 km zwischen der unteren Mainebene und den N√∂rdlichen Kalkalpen; es hat Anteil an der Mittelgebirgsschwelle, am s√ľddeutschen Schichtstufenland, am Alpenvorland und an den Alpen. Der von den Mittelgebirgen gepr√§gte Landschaftsraum n√∂rdlich der Donau umfasst im Nordwesten das stark bewaldete Buntsandsteingebirge des Spessarts (Geiersberg 586 m √ľber dem Meeresspiegel) und im √§u√üersten Norden Basaltkuppen und -fl√§chen der Rh√∂n (Kreuzberg 928 m √ľber dem Meeresspiegel). Nach S√ľden und S√ľdosten schlie√üt sich das Schw√§bisch-Fr√§nkische Schichtstufenland mit den fruchtbaren G√§ulandschaften und mit Ha√übergen, Steigerwald und Frankenh√∂he als h√∂hergelegene Landstufe an; auf dieser liegt das Mittelfr√§nkische Becken (mit N√ľrnberg im Mittelpunkt), das im S√ľden und Osten g√ľrtelartig von der 200-300 m √ľber dem Meeresspiegel aufragenden, stark zerschnittenen Fr√§nkischen Alb (aus Jurakalken, zum Teil verkarstet) mit der Felslandschaft der Fr√§nkischen Schweiz im Norden und dem Kessel des N√∂rdlinger Rieses im Westen umrahmt wird. Die Fr√§nkische Alb wird im Nordosten begrenzt von Frankenwald (bis 795 m √ľber dem Meeresspiegel) und Fichtelgebirge (Schneeberg 1 053 m √ľber dem Meeresspiegel, Ochsenkopf 1 023 m √ľber dem Meeresspiegel), dem sich jenseits der Naabsenke nach S√ľden und S√ľdosten Oberpf√§lzer Wald, Bayerischer Wald und B√∂hmerwald (Gro√üer Arber 1 456 m √ľber dem Meeresspiegel, Gro√üer Rachel 1 453 m √ľber dem Meeresspiegel) anschlie√üen.
 
Die Donau (zwischen Ulm und Passau) grenzt dieses Gebiet deutlich nach S√ľden gegen das Alpenvorland ab; Moose (Moorgebiete) begleiten ihr Tal oberhalb des Kelheimer Durchbruchs, unterhalb von Regensburg erstreckt sich der Dungau, die ¬ĽKornkammer Bayerns¬ę. Zwischen Iller und Salzach/Inn liegt das Alpenvorland, im Norden gr√∂√ütenteils l√∂ssbedecktes terti√§res H√ľgelland als Hinterlassenschaft der pleistoz√§nen Alpengletscher und ihrer Schmelzw√§sser, im Mittelbereich m√§chtige Schotterebenen (Memminger Ebene, Lechfeld, M√ľnchener und M√ľhldorfer Ebene), im S√ľden End- und Grundmor√§nen mit dazugeh√∂rigen Seen (Ammersee, Starnberger See, Chiemsee, Staffelsee, Tegernsee, Schliersee). √úber Molasser√ľcken und weichgeformte Flyschr√ľcken steigen von den Allg√§uer √ľber die Bayerischen bis zu den Berchtesgadener Alpen die schroffen Grate und Hochplateaus der N√∂rdlichen Kalkalpen auf (Zugspitze, h√∂chster Berg Deutschlands, 2 962 m √ľber dem Meeresspiegel).
 
Die Donau (mittlerer Abfluss in Passau 1 420 m3/s) √ľbertrifft mit einem Einzugsgebiet (in Deutschland) von 58 012 km2 das des Mains (26 500 km2) bei weitem, steht ihm aber an Bedeutung als Schifffahrtsweg nach. Die wasserreichsten Zufl√ľsse der Donau sind die vom S√ľden aus den Alpen kommenden Iller, Lech, Isar und Inn.
 
34,2 % der Gesamtfläche Bayerns sind mit Wäldern bedeckt. Mit 2,41 Mio. ha hat Bayern die größte Waldfläche Deutschlands (Anteil 23,1 %). Das Alpengebiet, die ostbayerischen Grenzgebirge und der Spessart haben die größten geschlossenen Waldgebiete aufzuweisen.
 
 
Durch die H√∂he √ľber dem Meeresspiegel und die Entfernung vom Meer hat die bayerische Hochebene ein raues Klima und eine ausgepr√§gtere Kontinentalit√§t als das deutlich w√§rmere Bodenseegebiet. Dieser Gegensatz wiederholt sich in Nordbayern zwischen dem warmen Maintal und den benachbarten G√§uen einerseits und den rauen klimatischen Bedingungen von Spessart und Rh√∂n andererseits. Auf der Fr√§nkischen Alb werden die Niederschl√§ge (im Jahresmittel 650-750 mm) von dem durchl√§ssigen Kalkboden rasch aufgesogen, sodass sie zu den trockensten Gebieten Bayerns z√§hlt. Die Donauniederung ist verh√§ltnism√§√üig warm, unterliegt aber starken t√§glichen Temperaturschwankungen. Feucht und schneereich mit k√ľrzeren Vegetationszeiten als H√ľgel- und G√§ulandschaften sind Fichtelgebirge, Bayerischer Wald und B√∂hmerwald sowie der stark von den Alpen beeinflusste Teil des Alpenvorlandes.
 
 
Bayern war Siedlungsgebiet von Baiern, Franken und Alemannen. Die Baiern lie√üen sich in Ober- und Niederbayern und der Oberpfalz nieder, die Franken im Maingebiet und um das Fr√§nkische Schichtstufenland, die Alemannen im Alpenvorland westlich des Lechs und s√ľdlich des N√∂rdlinger Rieses.
 
In den offenen Landschaften Frankens herrschen Haufend√∂rfer mit dem mitteldeutschen Ernhaus (¬Ľfr√§nkisches Geh√∂ft¬ę) und mit Fachwerkbauten vor, in den sp√§ter gerodeten Waldlandschaften Stra√üend√∂rfer und Weiler. Nieder- und Oberbayern, in geringerem Ausma√ü auch die Oberpfalz und Schwaben, sind reich an Weilern und Einzelh√∂fen (¬ĽEin√∂den¬ę). Die Vielzahl alter Stadtwesen ist charakteristisch; Handelsst√§dte, Residenzen und Bischofssitze neben zahlreichen Zwergst√§dten, Kloster- und Marktsiedlungen spiegeln die alte Landeskultur und Staatsgeschichte. Den reicheren Ackerbaulandschaften Unterfrankens und Niederbayerns stehen weite Graslandgebiete mit intensiver Viehhaltung und Milchwirtschaft in den feuchteren Landstrichen der Mittelgebirge (Rh√∂n) und des Alpenvorlandes gegen√ľber.
 
Durch Aufnahme von 2,4 Mio. Heimatvertriebenen und Fl√ľchtlingen w√§hrend des Zweiten Weltkriegs und danach wurden Bev√∂lkerungsverteilung und -struktur nachhaltig beeinflusst. Am 31. 12. 1994 wohnten 1,071 Mio. Ausl√§nder in Bayern (9,0 % der Landesbev√∂lkerung). An der Gesamtzahl der Ausl√§nder in Deutschland hat Bayern (1994) einen Anteil von 15,6 %, davon waren u. a. 255 400 T√ľrken, 213 400 Menschen aus dem fr√ľheren Jugoslawien, 85 800 √Ėsterreicher, 81 500 Italiener, 66 200 Griechen. Bei einer landesweit geringen Bev√∂lkerungsdichte werden nur in den Ballungszentren der Gro√üst√§dte Augsburg, M√ľnchen, N√ľrnberg, Regensburg und W√ľrzburg hohe Bev√∂lkerungsdichten erreicht.
 
 
62,5 % der Bev√∂lkerung geh√∂ren der katholischen Kirche an, rd. 22,5 % evangelischen Landeskirche. Die j√ľdische Religionsgemeinschaft hat rd. 14 200 Mitglieder in dreizehn Gemeinden; die j√ľdische Gemeinde M√ľnchen ist mit √ľber 7 200 Mitgliedern (nach Berlin) die zweitgr√∂√üte j√ľdische Gemeinde in Deutschland.
 
 
Das allgemein bildende Schulwesen unterscheidet Grundschule, Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Auf die Grundschule (4 Schuljahre) bauen das Gymnasium (Klassen 5-13) und die Hauptschule (Klassen 5-9) auf; die Realschule umfasst die Klassen 7-10 und schlie√üt an die Klasse 6 der Hauptschule an. Gymnasium und Realschule bieten verschiedene Ausbildungsrichtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. An der Hauptschule gibt es seit 1994 - zun√§chst noch im Schulversuch - die freiwillige 10. Klasse, die qualifizierte Hauptschulabsolventen zum mittleren Schulabschluss f√ľhrt. Die Oberstufe des Gymnasiums (besonders die letzten 4 Abschnitte, d. h. in der Regel die letzten beiden Jahre) folgt seit 1975 dem bayerischen Kollegstufenmodell: Die F√§cher werden in Leistungs- und Grundkursen unterrichtet, die von den Sch√ľlern selbst gew√§hlt werden. Dabei m√ľssen die F√§cher Deutsch, eine fortgef√ľhrte Fremdsprache, Mathematik, Geschichte, eine Naturwissenschaft sowie Religionslehre und Sport auf jeden Fall belegt und (au√üer Sport) ins Abitur eingebracht werden. Das Berufsschulwesen wurde 1972 durch das Gesetz √ľber das berufliche Schulwesen koordiniert. Neben der Berufsschule gibt es die Berufsaufbauschule, die Berufsfachschule, die Wirtschaftsschule (Klasse 7 oder 8-10), die Fachschule, die Fachoberschule und die Berufsoberschule. Eine Besonderheit bildet die Einrichtung der Fachakademie (Voraussetzung: mittlerer Schulabschluss und in der Regel abgeschlossene Berufsausbildung und -praxis). Besondere Bedeutung ist der beruflichen Grundausbildung zuerkannt worden; sie ist 1978 als Berufsgrundbildungsjahr in kooperativer Form oder in vollschulzeitlicher Form als Berufsgrundschuljahr eingef√ľhrt worden und setzt 9 Jahre Schulbildung voraus. Neben den allgemein bildenden und beruflichen Schulen besteht ein reich gegliedertes System von F√∂rderschulen zur sonderp√§dagogischen Betreuung. Gesetzlich geregelt ist darin auch die neue M√∂glichkeit, √ľber die Berufsausbildung zum mittleren Schulabschluss zu gelangen. Das Lehrerbildungsgesetz (1977) sieht den auf Schularten bezogenen Lehrer vor. Die gesamte Lehrausbildung erfolgt an Universit√§ten, in die 1972 die p√§dagogischen Hochschulen integriert wurden. Im Hochschulbereich bestehen 10 Universit√§ten (M√ľnchen [Universit√§t und TU], Erlangen-N√ľrnberg, W√ľrzburg, Regensburg, Augsburg, Bamberg, Bayreuth, Passau und in kirchlicher Tr√§gerschaft die Katholische Universit√§t Eichst√§tt), 6 Kunsthochschulen (je 2 f√ľr Musik und bildende Kunst, eine Hochschule f√ľr Musik und Theater, eine Hochschule f√ľr Film und Fernsehen), 18 Fachhochschulen, die Bayerische Beamtenfachhochschule sowie eine Hochschule f√ľr Politik. Als weitere private Einrichtungen, u. a. in kirchlicher Tr√§gerschaft, gibt es wissenschaftliche Hochschulen in M√ľnchen, Benediktbeuern (seit 1981) und in Neuendettelsau (evangelische Gesamthochschule), 2 kirchliche Fachhochschulen sowie eine Bundeswehrhochschule. An der Entwicklung des Bildungswesens sind die im Zentrum f√ľr Bildungsforschung zusammengefassten drei Staatsinstitute beteiligt (f√ľr Fr√ľhp√§dagogik und Familienforschung, f√ľr Schulp√§dagogik und Bildungsforschung sowie f√ľr Hochschulforschung und -planung).
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
In Bayern hat sich die Wirtschaftsstruktur nach dem Zweiten Weltkrieg grundlegend gewandelt. Aus einem traditionellen Agrarland wurde ein moderner Industriestandort mit einem wachsenden Dienstleistungssektor. Hochtechnologie und Wachstumsbranchen prägen wie in wenigen anderen Regionen Deutschlands das Bild.
 
Mit dem weit reichenden Strukturwandel ging die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft deutlich zur√ľck. Ihr Beitrag zur Bruttowertsch√∂pfung lag 1999 nur mehr bei gut 1 %. Das stark hochtechnologieorientierte produzierende Gewerbe trug 1999 mit rd. 32 % zur Bruttowertsch√∂pfung bei. Davon entfielen auf das verarbeitende Gewerbe 25,6 %, auf das Baugewerbe 4,6 % und auf die Energie- und Wasserversorgung 1,7 %. Gegen√ľber 1991 (37 %) verzeichnete der Sektor trotz eines Produktionszuwachses wegen des schnelleren Dienstleistungswachstums einen Anteilsr√ľckgang um 5 Prozentpunkte. Die st√§rkste Rolle auf den in- und ausl√§ndischen M√§rkten spielen nach wie vor Fahrzeugbau, Elektroindustrie und Maschinenbau. In zukunftsweisenden Hochtechnologiebereichen wie der Informations- und Kommunikationstechnologie und der Bio- und Gentechnologie geh√∂rt Bayern zu den international f√ľhrenden Standorten. Deutlich an Bedeutung gewonnen hat der terti√§re Sektor, der im Zeitraum von 1991 bis 1999 um mehr als 40 % wuchs und seinen Anteil an der Bruttowertsch√∂pfung von 61,5 % auf rd. 67 % ausweiten konnte. Besonders dynamisch entwickelten sich dabei v. a. wissensintensive Branchen wie Wirtschaftpr√ľfung, Steuer- und Unternehmensberatung, Datenverarbeitung und Datenbanken sowie Architektur- und Ingenieurb√ľros, das Gesundheits- und Erziehungswesen und der Medienbereich.
 
Seit den 70er-Jahren liegt das Wirtschaftswachstum in Bayern deutlich √ľber dem Bundesdurchschnitt. Im Zeitraum 1991 bis 1999 belegte Bayern mit einem realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 12,0 % den ersten Rang unter den alten L√§ndern. Die gesamtwirtschaftliche Leistung belief sich 1999 nominal auf 657 Mrd. DM. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von nominal 54 212 DM (1999) √ľbertrifft den westdeutschen und den europ√§ischen Durchschnitt erheblich. Bayern belegt damit Rang zwei unter den deutschen Fl√§chenl√§ndern. Das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbst√§tigen liegt mit nominal 112 156 DM (1999) etwas unter dem Mittel der alten L√§nder. Urs√§chlich daf√ľr ist die mit 48,3 % (Bund 44,4 %) weit √ľberdurchschnittlich hohe Erwerbsbeteiligung.
 
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ging in den letzten Jahrzehnten eine √ľberdurchschnittliche Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt einher. Seit 1994 verzeichnet Bayern im Jahresdurchschnitt die niedrigste Arbeitslosigkeit im Bundesgebiet. Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen betrug 1999 6,4 %.
 
 
Trotz r√ľckl√§ufiger gesamtwirtschaftlicher Bedeutung hat Bayern nach wir vor die gr√∂√üte landwirtschaftliche Nutzfl√§che (19,2 %) und die meisten landwirtschaftlichen Betriebe (34,3 %) unter allen L√§ndern in Deutschland. Von der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che (1999: 3,30 Mio. ha) entfielen 2,10 Mio. ha auf Ackerland, 1,18 Mio. ha auf Dauergr√ľnland, 13 960 ha auf Gartenland, 10 083 ha auf Obstanlagen und Baumschulen sowie 5 900 ha auf Rebland. Vom Ackerland dienen 55 % dem Getreideanbau, wobei Gerste und Weizen die gr√∂√üte Bedeutung zukommt. Mit einem Anteil von 15,3 % ist Bayern zweitgr√∂√üter deutscher Getreideproduzent; Hauptanbaugebiete sind die G√§ulandschaften und das niederbayrische Terti√§rh√ľgelland. In Unter- und im westlichen Oberfranken kommt der Erzeugung von Braugerste eine besondere Bedeutung zu. Mehr als verdreifacht wurde seit 1950 die Anbaufl√§che von Hopfen (Anteil an Deutschland 83,4 %), der auf die Anbaugebiete Hallertau, Spalt und Hersbruck konzentriert ist. Weinbau wird im unterfr√§nkischen Maintal, auch im Tal der Fr√§nkischen Saale sowie an der westlichen Abdachung des Steigerwaldes betrieben (Anbaugebiet Franken). Weitere wichtige Anbauprodukte sind Hackfr√ľchte: Die Ertr√§ge betrugen 1999 bei Kartoffeln 327,4 dt/ha, bei Zuckerr√ľben 632 dt/ha. In den Gr√ľnlandgebieten des Alpenvorlandes liegt das Schwergewicht der Landwirtschaft ganz auf der Milchwirtschaft. Bayern produzierte 1999 26,7 % der gesamten Milchmenge und 43,1 % der K√§seerzeugnisse in Deutschland (v. a. im Allg√§u, aber auch im s√ľdlichen Oberbayern).
 
 
Bayern verf√ľgt bei den mineralischen Rohstoffen √ľber erhebliche Vorkommen, insbesondere auf dem Sektor der Massenrohstoffe sowie der Industrieminerale. Zu den Massenrohstoffen z√§hlen in Bayern die in hochwertiger Qualit√§t vorhandenen Sande und Kiese, Felsgesteine, Lehm und Tone sowie Gips. Mit einer Jahresf√∂rderung an mineralischen Rohstoffen von circa 150 Mio. t erbringt Bayern circa 20 % der gesamten F√∂rderung Deutschlands und geh√∂rt somit zu den gr√∂√üten F√∂rderl√§ndern der Bundesrepublik. Bei den Industriemineralen sind von regionalwirtschaftlicher Bedeutung insbesondere die Kaolingewinnung um Hirschau-Schnaittenbach, die Bentonitgewinnung zwischen Freising und Landshut sowie die Gewinnung der Kieselerde um Neuburg/Donau. Die Kaolin- und Bentonitvorkommen sind die gr√∂√üten in Deutschland; Kieselerde ist in dieser Zusammensetzung weltweit einzigartig. Ferner wird Graphit untert√§gig in Kropfm√ľhl bei Passau und Steinsalz sowie Sole in Berchtesgaden sowie Bad Reichenhall abgebaut. Bei den energetischen Rohstoffen spielt der Erdgas- und Erd√∂lbergbau keine Rolle mehr. Von energiepolitischer Bedeutung sind jedoch die in S√ľdbayern in den ausgef√∂rderten Erdgaslagerst√§tten errichteten Porengasspeicher mit einem derzeitigen Arbeitsgasvolumen von circa 3 Mrd. m3. F√ľr die geothermische Nutzung von Tiefenw√§ssern f√ľr Zwecke der W√§rmeversorgung liegen in S√ľdbayern g√ľnstige geologische Voraussetzungen vor. In einigen F√§llen wie z. B. Straubing und Erding werden diese bereits genutzt.
 
 
Die Energieversorgung Bayerns wurde durch die Inbetriebnahme von Kernkraftwerken seit 1977 grundlegend umgestellt. Betrug der Anteil der Elektrizit√§tserzeugung aus Kernenergie 1980 lediglich 10,8 %, so erzeugten 1999 die f√ľnf Kernkraftwerke (Grafenrheinfeld, Gundremmingen B, Gundremmingen C, Isar 1 und Isar 2) fast 59,3 % der Elektrizit√§t. Im gleichen Jahr betrug der Anteil aus Wasserkraft erzeugter Elektrizit√§t 14,5 %. Der bayerische Prim√§renergieverbrauch wurde 1998 zu 47,5 % durch Mineral√∂l gedeckt, auf Kernenergie entfielen 20,6 %, auf Gas 15,3 %, Kohle 7,2 %, Wasserkraft 5,6 %, sonstige erneuerbare Energietr√§ger 3,8 %.
 
 
Das industrielle Profil in Bayern ist breit aufgef√§chert. In vielen Bereichen der Hochtechnologie nimmt die bayerische Industrie f√ľhrende Positionen ein, so bei Information und Kommunikation, in der Bio- und Gentechnik, bei der Verkehrs- und Antriebstechnik sowie der Verfahrenstechnik, aber auch in der Medizin- und Umwelttechnik. Die bedeutendsten Produktionsbereiche sind die Elektroindustrie (17,9 % aller Besch√§ftigten im verarbeitenden Gewerbe), der Maschinenbau (16,2 %) und der Fahrzeugbau mit den Sparten Automobile (13,4 %) und Luft- und Raumfahrzeuge (1,9 %). St√§rker ins Gewicht fallem au√üerdem das Ern√§hrungsgewerbe (7,7 %), die Herstellung von Metallerzeugnissen (5,9 %), die Kunststoffverarbeitung (5,8 %), die chemische Industrie (5,1 %) sowie das Verlags- und Druckgewerbe (4,5 %). Dar√ľber hinaus ist Bayern wichtiger Standort f√ľr eine Reihe kleinerer Branchen, wie z. B. M√∂belherstellung, Textilgewerbe, Bekleidungsindustrie, Keramik und Glasgewerbe. R√§umlich zeigt die Produktion ebenfalls eine starke Diversifizierung. Die gr√∂√üten Industriestandorte sind M√ľnchen sowie der Raum N√ľrnberg-F√ľrth-Erlangen. Weitere Schwerpunkte bilden Augsburg, Ingolstadt, Regensburg, Schweinfurt, Bamberg und Dingolfing.
 
 
Bayern steht innerhalb Deutschlands im Versicherungsgewerbe an erster, im Bankgewerbe an zweiter und im B√∂rsengewerbe an dritter Stelle in Deutschland. Der Bereich der unternehmensbezogenen Dienstleistungen mit hoher Wertsch√∂pfung ist √ľberdurchschnittlich gut entwickelt. Besondere Bedeutung hat dabei M√ľnchen als √ľberregionales Zentrum. Bei den Printmedien rangiert die bayerische Metropole international an vorderster Stelle. Auch im Bereich der neuen Medien ist M√ľnchen √ľberdurchschnittlich positioniert. Wichtige Standorte im Dienstleistungssektor ist daneben der Gro√üraum N√ľrnberg (Bereiche Konsumforschung und Datenverarbeitung). Die Messepl√§tze M√ľnchen und N√ľrnberg haben internationale Geltung.
 
 
Auf dem Gebiet des Tourismus spielt Bayern mit (1999) 70,9 Mio. √úbernachtungen die mit Abstand f√ľhrende Rolle innerhalb Deutschlands (knapp ein Viertel aller √úbernachtungen). Hauptanziehungspunkte sind die Alpenregion und die Seen des Alpenvorlandes, der Bayerische Wald, die teilweise neu geschaffene Fr√§nkische Seenplatte, die unterfr√§nkischen Weinbaugebiete sowie Rh√∂n, Spessart und Fichtelgebirge. Bedeutendste Zentren des Tourismus sind nach den √úbernachtungszahlen (1999) M√ľnchen (8,4 Mio.), Bayerischer Wald (6,5 Mio.), Oberallg√§u (5,1 Mio.), Berchtesgadener Land (2,6 Mio.), N√ľrnberg (2,5 Mio.), Werdenfelser Land und Ammergau (2,4 Mio.) und die Rh√∂n (2,3 Mio.). Neben 341 staatlich anerkannten Fremdenverkehrsorten gibt es 50 Heilb√§der und Kurorte. In Bayern wurden zwei Nationalparks (Berchtesgaden, Bayerischer Wald) und ein Biosph√§renreservat (Rh√∂n) eingerichtet.
 
 
Bayern ist ein stark exportorientiertes Land. Die Ausfuhren stiegen bis 1999 auf 154 Mrd. DM, die Einfuhren nahmen auf 128 Mrd. DM zu. Weit √ľber ein Drittel (37,8 %) des Umsatzes der Industrie entfiel 1999 auf das Ausland. An den gesamten Exporten Deutschlands hatte Bayern einen Anteil von 15,7 % (dritte Stelle nach Nordrhein-Westfalen und Baden-W√ľrttemberg). 91,1 % der bayerischen Ausfuhren waren Fertigwaren, v. a. Fahrzeuge, Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse. Hauptabnehmerl√§nder waren die USA und die EU-Staaten, aber auch die Lieferungen in die mittel- und osteurop√§ischen L√§nder und nach Fernost haben im letzten Jahrzehnt sp√ľrbar zugenommen.
 
Verkehr:
 
Bayerns Verkehrsnetz wurde in den letzten Jahrzehnten stark ausgebaut. 1992 wurde der Main-Donau-Kanal fertig gestellt. Weitere wichtige Binnenwasserstra√üen sind der Main (ab Bamberg) und die Donau (ab Kelheim). Bedeutendster Hafen ist Regensburg. Internationale Flugh√§fen sind der 1992 er√∂ffnete neue Flughafen M√ľnchen und der Flughafen N√ľrnberg. Probleme der Verkehrserschlie√üung bestehen insbesondere bei den Verbindungen nach Th√ľringen, Sachsen und in die Tschechische Republik. Kapazit√§tsengp√§sse ergeben sich auch durch den starken Transitverkehr. Dies gilt speziell f√ľr die Verbindung von Nord- und Nordwesteuropa nach S√ľdosteuropa sowie f√ľr die europ√§ische Nord-S√ľd-Achse √ľber den Brenner nach Italien.
 
 Geschichte:
 
Das Stammesherzogtum:
 
In der 1. H√§lfte des 6. Jahrhunderts n. Chr. war die Landnahme der Baiern in dem Gebiet zwischen Lech, Donau und Alpen abgeschlossen. Unter F√ľhrung des schon fr√ľh in Regensburg ans√§ssigen Herzogsgeschlechts der Agilolfinger dehnten sie ihre Macht auch n√∂rdlich der Donau aus. 591 gerieten die Agilolfinger in Abh√§ngigkeit vom Fr√§nkischen Reich. Im 8. Jahrhundert missionierten Iren, Schotten, Angelsachsen (Bonifatius) und Franken (Emmeram, Rupert) in Bayern; Bonifatius organisierte Mitte des 8. Jahrhunderts die Bist√ľmer Salzburg, Passau, Regensburg, Freising und Eichst√§tt. Der letzte Agilolfinger, Herzog Tassilo III., gr√ľndete zahlreiche Kl√∂ster, f√∂rderte die kirchliche Kultur und dehnte mit der endg√ľltigen Unterwerfung der im Alpengebiet ans√§ssigen Slawen seinen Machtbereich bis nach Karantanien (K√§rnten; nach 740) aus. Mit seiner Absetzung durch Karl den Gro√üen (788) endete das √§ltere bayerische Stammesherzogtum (regnum), das nun karolingisches Teilreich wurde.
 
Nach dem Zerfall des (karolingischen) Fr√§nkischen Reichs gewann Bayern als Unterk√∂nigtum unter Ludwig (II.) dem Deutschen (ab 817) die F√ľhrung der ostfr√§nkischen St√§mme und wurde als dessen Hausgut zum Kernland des Ostfr√§nkischen Reiches. Markgraf Luitpold, der Stammvater des Geschlechts der Luitpoldinger, fiel 907 als F√ľhrer des bayerischen Adels im Kampf gegen die Ungarn. Sein Sohn Arnulf der B√∂se (907-937) erneuerte das Stammesherzogtum und behauptete gegen√ľber K√∂nig Heinrich I., den er 921 nur formell anerkannte, seine Selbstst√§ndigkeit. Nach Abwehr der Ungarn (Lechfeld 955) begann eine erneute bayerische Ostsiedlung, die in der Schaffung der ottonischen bayerischen Ostmark gipfelte. K√∂nig Otto I., der Gro√üe, der Bayern 938-947 dem (Heiligen R√∂mischen) Reich fest eingliederte, gab das bayerische Herzogtum 947 und dazu 952 Friaul seinem Bruder, Herzog Heinrich I.; dessen Sohn Heinrich (II.) der Z√§nker (955-976 und 985-995) konnte Bayern erheblich vergr√∂√üern (u. a. Verona, Istrien, Krain). Er emp√∂rte sich gegen Kaiser Otto II. Dieser setzte ihn 976 ab und trennte die bayerische Ostmark, den Nordgau und K√§rnten mit den italienischen Marken von Bayern; 985 erhielt Heinrich der Z√§nker Bayern wieder zur√ľck. Sein Sohn Heinrich II., der Heilige (995-1024 Herzog von Bayern, ab 1002 R√∂mischer K√∂nig, ab 1014 Kaiser), stiftete 1007 das Bistum Bamberg. Die Witwe Kaiser Heinrichs III., Agnes (von Poitou), verlieh das Herzogtum 1061 an Otto von Northeim. K√∂nig Heinrich IV. √ľbergab Bayern 1070 an die Welfen (Welf I., bis 1101), die durch St√§rkung der inneren Geschlossenheit Bayern zu mehr politischem Eigengewicht zu verhelfen vermochten; so unterst√ľtzte es z. B. im Investiturstreit die Reichsgewalt. Im Kampf gegen den Staufer K√∂nig Konrad III. verlor der Welfe Heinrich (X.) der Stolze (ab 1126), der 1137 auch das Herzogtum Sachsen erhalten hatte, Bayern 1139 an die Babenberger (Leopold IV.). 1156 setzte Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Welfen mit Heinrich dem L√∂wen wieder in ihre ehemaligen Besitzungen ein; die Ostmark blieb jedoch als Herzogtum √Ėsterreich den Babenbergern. Nach dem Sturz Heinrichs erhob Friedrich I. 1180 auch Steiermark, die letzte bayerische Mark im Osten, zum selbstst√§ndigen Herzogtum; das auf sein Kerngebiet verkleinerte Bayern √ľbertrug er dem bayerischen Pfalzgrafen Otto I. von Wittelsbach.
 
Das Herzogtum der Wittelsbacher:
 
Die ersten Wittelsbacher st√ľtzten sich auf umfangreichen Besitz und verstanden es geschickt, das Aussterben gro√üer Adelsgeschlechter (Steffling 1196, Voburg 1204, Andechs 1248 u. a.) f√ľr ihre territorialen Ziele zu nutzen. Mit Stadtgr√ľndungen, Errichtung von Marktflecken sowie der Neuordnung des Rechtswesens bauten sie das sich in Aufl√∂sung befindliche Herzogtum zu einem geschlossenen Territorium aus, dem 1214 Ludwig (I.) der Kelheimer (1183-1231) die rheinische Pfalz eingliedern konnte. Dem Zugriff des werdenden Territorialstaates vermochten sich das Erzbistum Salzburg und die Bist√ľmer Passau, Regensburg und Freising durch die Ausbildung eigener Landesherrschaften zu entziehen. Durch die Teilung von 1255 entstanden die beiden Linien Oberbayern(-M√ľnchen) mit der Rheinpfalz und, damit verbunden, der Kurw√ľrde (endg√ľltig geregelt 1356, Goldene Bulle) und Niederbayern(-Landshut). Im 14. Jahrhundert wurde Bayern zum St√§ndestaat (Herrschaftsvertr√§ge von 1302 und 1311). In Auseinandersetzung mit dem Herzog von √Ėsterreich (Gegenk√∂nig Friedrich der Sch√∂ne von Habsburg) wurde Ludwig IV., der Bayer (Herzog von Oberbayern 1302-47 und Sch√∂pfer des oberbayerischen Landrechts von 1346), 1314 R√∂mischer K√∂nig und nach dem Sieg bei M√ľhldorf am Inn (1322) 1328 Kaiser; er erwarb die Mark Brandenburg, Tirol, Holland, Seeland und den Hennegau f√ľr sein Haus und beerbte die niederbayrische Linie, die 1340 ausstarb. Doch bereits 1329 hatte er im Hausvertrag von Pavia den S√∂hnen seines Bruders Rudolf (I.) die Rheinpfalz und einen Teil des Nordgaus, die Oberpfalz, abgetreten; damit entstand die selbstst√§ndige pf√§lzische (Rudolfinische) Linie der Wittelsbacher. Ludwigs IV. sechs S√∂hne teilten ihr Erbe 1349 beziehungsweise 1351/53 in Oberbayern (Bayern-M√ľnchen) mit Tirol sowie in Brandenburg, Niederbayern (Bayern-Landshut) und Bayern-Straubing mit den niederl√§ndischen Provinzen. Die au√üerbayerischen Besitzungen gingen den Wittelsbachern bald verloren; Tirol fiel 1363 an die Habsburger, Brandenburg 1373 an die Luxemburger (Kaiser Karl IV.), die Niederlande 1433 an Burgund. Die St√§nde gewannen einen nochmals zunehmenden Einfluss. Die Teilung von 1392 in die Linien Bayern-M√ľnchen, Bayern-Landshut (1503 erloschen), Bayern-Ingolstadt (1445/47 erloschen und an Bayern-Landshut) sowie Bayern-Straubing (1425 erloschen) schw√§chte die Macht der Herz√∂ge, bis Albrecht IV., der Weise, von Bayern-M√ľnchen (1467-1508) das ganze Herzogtum Bayern wieder vereinigte und durch die Einf√ľhrung der Erstgeburtsordnung (Primogenitur) 1506 den Landesteilungen ein Ende setzte. Doch musste er K√∂nig Maximilian I. im Landshuter Erbfolgekrieg 1503 die √Ąmter Kufstein, Rattenberg und Kitzb√ľhel abtreten und 1505 in die Errichtung eines pf√§lzischen Herzogtums Neuburg einwilligen. Herzog Wilhelm IV. (1508-50) trat an der Seite der Habsburger in den Kampf gegen die Reformation ein, die bereits √ľberall im Lande Anh√§nger gefunden hatte; 1542 berief er die Jesuiten an die Landesuniversit√§t nach Ingolstadt. Unter Albrecht (V.) dem Gro√üm√ľtigen (1550-79) wurde der Protestantismus in Bayern nahezu beseitigt (Ortenburger Fehde); der Pracht liebende und verschwenderische F√ľrst erhob die Residenz M√ľnchen zur Kunststadt. Albrechts Sohn, Wilhelm (V.) der Fromme (1579-97), schloss, von den Jesuiten beeinflusst, das Konkordat von 1583. Bayern war zur Vormacht der Gegenreformation in Deutschland gworden.
 
Das Kurf√ľrstentum:
 
Der fr√ľhabsolutistisch regierende Herzog (ab 1623 Kurf√ľrst) Maximilian I. (1597-1651) spielte eine zentrale Rolle im Drei√üigj√§hrigen Krieg (1618-48). Als Gr√ľnder und Haupt der katholischen Liga (ab 1609) trat er der von den pf√§lzischen Wittelsbachern (Kurf√ľrst Friedrich IV. und Friedrich V.) gef√ľhrten protestantischen Union entgegen; er erhielt 1623 die pf√§lzische Kurw√ľrde, 1628 die Oberpfalz. Zwischen 1632 und 1648 geh√∂rte Bayern zu den am schwersten von Verw√ľstungen und Kriegslasten getroffenen deutschen L√§ndern. Der Ausbau zu einem Staat absolutistischer Pr√§gung unterblieb. Kurf√ľrst Ferdinand Maria (1651-79) berief 1669 letztmalig die Landst√§nde. Das kulturelle Leben wurde durch seine savoyische Gemahlin Adelheid bestimmt, die die barocke Bl√ľtezeit Bayerns einleitete (Bau des Schlosses Nymphenburg und der Theatinerkirche in M√ľnchen). Kurf√ľrst Maximilian II. Emanuel (1679-1726) erhielt 1691 die Statthalterschaft der spanischen Niederlande; Kurprinz Joseph Ferdinand (‚úĚ 1699) war urspr√ľnglich zum Erben Spaniens ausersehen. Im Spanischen Erbfolgekrieg trat Max Emanuel auf die Seite Frankreichs. Nach der Schlacht von H√∂chst√§dt (1704) wurde Bayern von kaiserlichen Truppen besetzt; das Volk erhob sich 1705 in einem blutigen Aufstand (Sendlinger Mordweihnacht). Erst durch den Frieden zu Baden (1714) wurde die √ľber Max Emanuel verh√§ngte Acht aufgehoben. Karl Albrecht (1726-45) verwarf nach dem Tod Kaiser Karls VI. 1740 die Pragmatische Sanktion und erhob Anspr√ľche auf die √∂sterreichischen Erblande. Im B√ľndnis mit Frankreich gewann er 1741 Ober√∂sterreich und B√∂hmen; aber w√§hrend er 1742 in Frankfurt am Main als Karl VII. zum Kaiser gew√§hlt wurde, fiel sein Stammland in √∂sterreichische H√§nde. Der junge Kurf√ľrst Maximilian III. Joseph (1745-77) zog sich im Frieden zu F√ľssen (1745) unter Verzicht auf alle au√üerbayerischen Erbanspr√ľche aus dem √Ėsterreichischen Erbfolgekrieg (1740/41-48) zur√ľck, um sich einer Politik der inneren Reformen im Geist der Aufkl√§rung zu widmen. 1759 gr√ľndete er die Akademie der Wissenschaften in M√ľnchen, 1773 f√ľhrte er die Aufhebung des Jesuitenordens durch. Mit ihm erlosch die bayerische Linie der Wittelsbacher. Aufgrund der Hausvertr√§ge von 1746-66 fiel nun Bayern an den Kurf√ľrsten Karl Theodor von der Pfalz aus der Linie Pfalz-Sulzbach, die auch die rheinischen Herzogt√ľmer J√ľlich und Berg besa√ü. Als Karl Theodor sich den Anspr√ľchen Kaiser Josephs II. auf Teile von Bayern geneigt zeigte, griff K√∂nig Friedrich (II.), der Gro√üe, von Preu√üen zugunsten der 1774 anerkannten Erbrechte der Linie Pfalz-Zweibr√ľcken ein (Bayerischer Erbfolgekrieg). Nach Karl Theodors Tod (1799) gelangte, da er keine Erben hinterlie√ü, die Linie Pfalz-Zweibr√ľcken mit Maximilian IV. Joseph (1799-1825) zur Regierung.
 
Im Frieden von Lun√©ville (1801) musste das seit 1800 von franz√∂sischen Truppen besetzte Bayern die Rheinpfalz und J√ľlich an Frankreich abtreten. Darauf vollzog M. Graf Montgelas, der leitende Minister Maximilian Josephs, im Vertrag vom 24. 8. 1801 die entscheidende Wendung der bayerischen Politik auf die Seite Frankreichs; in der Gefolgschaft Napoleons wuchs Bayern zum gr√∂√üten deutschen Mittelstaat heran. Es gewann 1803-10 die geistlichen F√ľrstent√ľmer Augsburg, Eichst√§tt, Freising, Regensburg, Passau und Bamberg, die Reichsst√§dte Lindau, Kempten, Augsburg, N√ľrnberg, N√∂rdlingen, Rothenburg, Schweinfurt u. a., zahlreiche Abteien, die preu√üische Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth, Vorarlberg, Tirol, Salzburg, das Inn- und das Hausruckviertel. Der Kurf√ľrst nahm am 1. 1. 1806 als Maximilian I. Joseph den K√∂nigstitel an. Am 12. 7. 1806 musste Bayern dem Rheinbund beitreten. Die Aufgabe, die Erwerbungen in Franken und Schwaben mit Altbayern zu verschmelzen, l√∂ste Montgelas durch r√ľcksichtslosen Zentralismus; 1807 wurden im rechtsrheinischen Bayern als erstem deutschem Einzelstaat die Binnenzollschranken beseitigt. Die Konstitution vom 1. 5. 1808 hob die Leibeigenschaft sowie die Steuerfreiheit des Adels auf. 1813 ging Bayern im Vertrag von Ried (8. 10.) zu den Gegnern Napoleons I. √ľber. Unter Erhaltung der Integrit√§t und Souver√§nit√§t seines Staates gab K√∂nig Maximilian I. Joseph Tirol, Vorarlberg, Salzburg, das Inn- und das Hausruckviertel an √Ėsterreich zur√ľck; auf dem Wiener Kongress (1814/15) wurde Bayern mit W√ľrzburg, Aschaffenburg und der linksrheinischen Pfalz f√ľr den Verlust entsch√§digt. Mit einem Gebietsumfang von 75 000 (1802: 40 000) km2 und 3,5 Mio. Einwohnern (1802: 1 Mio.) trat es 1815 dem Deutschen Bund bei. Das Konkordat von 1817, das der Kurie gro√üe Zugest√§ndnisse machte, schuf f√ľr das neue Bayern die kirchliche Organisation mit den Kirchenprovinzen M√ľnchen-Freising und Bamberg. Nach dem Sturz von Montgelas setzte sich in Bayern eine konstitutionelle Richtung durch. Am 26. 5. 1818 verlieh Maximilian I. Joseph dem Land eine Verfassung mit 2 Kammern (Reichsr√§te und Abgeordnete), die erste konstitutionelle Verfassung in einem der deutschen Mittelstaaten.
 
Das konstitutionelle Königreich:
 
Maximilian I. Josephs Sohn Ludwig I. (1825-48) machte M√ľnchen zu einem Zentrum der K√ľnste und Wissenschaften; 1826 wurde auch die bayerische Landesuniversit√§t von Landshut in die Hauptstadt verlegt. Nachdem Bayern 1828 mit W√ľrttemberg den ersten deutschen Zollverein auf Gegenseitigkeit geschlossen hatte, traten beide Staaten 1833 dem preu√üisch-hessischen Zollverein bei, der sich dadurch zum Deutschen Zollverein (1. 1. 1834) erweiterte. Im Innern gliederte der K√∂nig 1837 Bayern in die heute noch bestehenden 7 Regierungsbezirke, zu denen als 8. die Pfalz trat. Die zun√§chst als deutschnational und freiheitlich angesehene Politik K√∂nig Ludwigs I. (Ministerpr√§sident bis 1831 G. F. von Zentner) wich nach den Unruhen der Julirevolution 1830 einer konservativen Politik mit strenger Pressezensur. Die sich daran entz√ľndende Missstimmung sowie die Aff√§re des K√∂nigs mit der T√§nzerin Lola Montez beg√ľnstigten in Bayern den Ausbruch der Revolution 1848, unter deren Eindruck Ludwig I. zugunsten seines Sohnes Maximilian II. abdankte. Der Landtag von 1848/49 unterst√ľtzte die Frankfurter Nationalversammlung.
 
Vom reinen Agrarstaat des Jahres 1806 begann sich Bayern unter Ludwig I. in Ans√§tzen zum Industriestaat zu wandeln. Der ersten deutschen Eisenbahn (N√ľrnberg-F√ľrth) von 1835 folgte seit 1843 ein rascher Ausbau der Staatseisenbahnen, seit dem Ende der 30er-Jahre zeichneten sich um N√ľrnberg/F√ľrth, Hof, Augsburg, Kaufbeuren, Kempten und in der linksrheinischen Pfalz kleine Industrier√§ume ab. 1837 entstanden bei der Konzessionierung der mechanischen Spinnerei und Weberei in Augsburg die ersten Sozialgesetze. 1840 wurde die erste Jugendschutzverordnung erlassen. 1847 bestanden in Bayern 3 097 fabrikm√§√üige Einrichtungen mit 39 720 Arbeitern bei einer Gesamtbev√∂lkerung von 4,5 Mio.
 
Maximilian II. (1848-64) folgte zwar 1849/50 der reaktion√§ren Politik √Ėsterreichs und Preu√üens (Niederschlagung des pf√§lzischen Aufstands 1849 mithilfe preu√üischer Truppen), beg√ľnstigte im Innern jedoch liberale und soziale Reformen. Er schloss die Bauernbefreiung ab (1848). Rechtsprechung und Verwaltung wurden 1862 getrennt. Daneben wurde der unter Ludwig I. eingeschlagene sozialpolitische Weg fortgesetzt (1851 Errichtung von Spar-, Leih-, Krankenunterst√ľtzungs- und Pensionskassen bei Fabrikgr√ľndungen). Maximilian und Minister K. H. von der Pfordten, der mit kurzen Unterbrechungen bis 1866 die bayerische Politik entscheidend bestimmte, lehnten die Frankfurter Reichsverfassung, das preu√üische Erbkaisertum und den Ausschluss √Ėsterreichs zugunsten der Triasidee ab, die das Gleichgewicht zwischen Preu√üen und √Ėsterreich erhalten und die Mittel- und Kleinstaaten unter bayerischer F√ľhrung zusammenschlie√üen wollte. 1850 schloss Bayern mit Sachsen, Hannover und W√ľrttemberg das Vierk√∂nigsb√ľndnis. Noch 1863 versuchte Maximilian auf dem Frankfurter F√ľrstentag, den Deutschen Bund zu retten. Auf Anregung des K√∂nigs kam das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch von 1862 zustande. Im letzten Regierungsjahr Maximilians bildete sich als erste politische Partei in Bayern die b√ľrgerliche linksliberale Fortschrittspartei. Seit 1868 gab es in den bayerischen Industriegebieten die ersten Ans√§tze einer sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. In der Abgeordnetenkammer verf√ľgten bis in die 1860er-Jahre die Liberalen √ľber die Mehrheit, verloren diese aber an die bayerische Patriotenpartei, die sich 1887 dem Zentrum anschloss. Erst nach der Wahlrechtsreform von 1906 vermochten die Sozialdemokraten Wahlerfolge zu erzielen.
 
K√∂nig Ludwig II. (1864-86) schloss sich im Deutschen Krieg (1866) √Ėsterreich an. Nach der Niederlage (Maifeldzug) musste Bayern lediglich die hessischen Grenzbezirke Orb und Gersfeld sowie die th√ľringische Enklave Kaulsdorf abtreten und eine Kriegsentsch√§digung zahlen sowie ein Schutz- und Trutzb√ľndnis abschlie√üen, das die bayerischen Truppen im Kriegsfall unter preu√üischen Oberbefehl stellte. 1870 entschied sich Ludwig zur Teilnahme am Deutsch-Franz√∂sischen Krieg. Uneins mit W√ľrttemberg und diesem zuvorkommend, schloss er nach schwierigen Verhandlungen am 20./23. 11. 1870 in Versailles den Vertrag √ľber den Eintritt Bayerns ins Deutsche Reich; am 30. 12. stimmte die Kammer der Reichsr√§te fast einhellig, erst am 21. 1. 1871 die der Abgeordneten mit Zweidrittelmehrheit zu. Nach der Reichsverfassung von 1871 erhielt Bayern als Reservatrechte eigene Diplomatie, Post und Eisenbahn, Bier- und Branntweinsteuer sowie beschr√§nkte Wehrhoheit. Da der K√∂nig sich immer st√§rker von den Tagesereignissen zur√ľckzog und einer Traumwelt zuwandte, beschloss der Ministerrat am 7. 6. 1886 die Einsetzung eines Verwesers f√ľr den f√ľr geisteskrank erkl√§rten und entm√ľndigten (9. 6.) K√∂nig, der am 13. 6. am Starnberger See tot aufgefunden wurde. F√ľr seinen ebenfalls nervenkranken Bruder Otto √ľbernahm sein Onkel Luitpold die Regentschaft. Er regierte mit Geschick und streng konstitutionell; M√ľnchen erlebte eine gro√üe kulturelle Bl√ľte. Das Zentrum errang in z√§hem Kampf 1899 eine beherrschende Stellung in Bayern, neben ihm behaupteten sich die Sozialdemokraten als zweitst√§rkste Partei. Nach der Landtagswahl 1912 (Zentrum 84 Abgeordnete, Sozialdemokraten 24, Liberale 22, Freie Vereinigung 7, Bauernbund 4) ernannte Prinzregent Luitpold den F√ľhrer der Reichstagsfraktion des Zentrums, G. von Hertling, zum Ministerpr√§sidenten. Luitpolds Sohn Ludwig III. (1912-18) regierte zun√§chst ebenfalls als Prinzregent, seit 1913 als K√∂nig. Im November 1918 (Novemberrevolution) erkl√§rte K. Eisner, der F√ľhrer der USPD und Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrats in M√ľnchen, das Haus Wittelsbach in Bayern f√ľr abgesetzt und rief die Republik aus. Der K√∂nig ging au√üer Landes, verweigerte aber die Abdankung. Kronprinz Rupprecht (* 1869, ‚úĚ 1955) legte am 10. 11. von Br√ľssel aus Verwahrung gegen die Umw√§lzung ein, da sie ohne die gesetzgebenden Gewalten und von einer Minderheit ins Werk gesetzt worden sei; nach dem Tod seines Vaters (1921) erkl√§rte er, in dessen Rechte eingetreten zu sein.
 
Der Freistaat:
 
Bei den Landtagswahlen vom 12. 1. 1919 fanden die Ziele des Ministerpr√§sidenten K. Eisner nur ein geringes Echo. St√§rkste Partei wurde die Bayerische Volkspartei (BVP), gefolgt von der SPD. Nach der Ermordung Eisners durch A. Graf Arco am 21. 2. 1919 kam es zu Unruhen, angesichts derer die Koalitionsregierung aus BVP und SPD unter J. Hoffmann (SPD) im M√§rz 1919 nach Bamberg auswich. In M√ľnchen riefen revolution√§re Gruppen die ¬ĽR√§terepublik Baiern¬ę aus (7. 4.); mit der Besetzung M√ľnchens durch Truppen des Deutschen Reiches (1./2. 5. 1919) brach sie jedoch zusammen. Von Januar bis Juni 1919 forderten blutige Ausschreitungen viele Todesopfer.
 
Mit der ¬ĽBamberger Verfassung¬ę, die am 15. 9. 1919 in Kraft trat und Bayern zum Freistaat erkl√§rte, und der Weimarer Reichsverfassung verlor Bayern fast alle Sonderrechte. Am 1. 7. 1920 wurde das Gebiet von Coburg mit Bayern vereinigt, nachdem sich am 30. 11. 1919 die Mehrheit der dortigen Bev√∂lkerung in einer Volksabstimmung f√ľr den Anschluss ausgesprochen hatte. Die Entt√§uschung √ľber die verfassungspolitische Situation Bayerns sowie eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Reichspolitik f√ľhrten zum ¬ĽKonflikt Bayern/Reich¬ę (1920-24). Nachdem Ministerpr√§sident J. Hoffmann w√§hrend des Kapp-Putsches im M√§rz 1920 unter milit√§rischem Druck zur√ľcktreten musste, schlug sein Nachfolger, G. Ritter von Kahr (BVP), unter der Losung ¬ĽOrdnungszelle Bayern¬ę einen betont restaurativen und nationalistischen Kurs ein. Auch nach seinem R√ľcktritt als Ministerpr√§sident (1921) behielt er einen gro√üen Einfluss auf die bayerische Landespolitik. In den fr√ľhen 1920er-Jahren entwickelte sich Bayern zu einem Sammelbecken rechtsgerichteter Kr√§fte in Deutschland. Im Zuge eines sich erneut zuspitzenden Konflikts Bayerns mit der Reichsregierung in Berlin berief die Regierung unter E. von Knilling (BVP, 1922-24) im September 1923 von Kahr zum Generalstaatskommissar und betraute ihn mit der ¬Ľgesamten vollziehenden Gewalt¬ę in Bayern. Auf dem H√∂hepunkt der Krise suchte Hitler, der F√ľhrer der v. a. in M√ľnchen agitierenden NSDAP, von Kahr zum Staatsstreich gegen die Reichsregierung in Berlin zu bewegen (Hitlerputsch).
 
Nach dem R√ľcktritt von Kahrs (1924) beendete der neue Ministerpr√§sident H. Held (BVP, 1924-33) die Kontroverse mit der Reichsregierung; er verfolgte eine betont f√∂deralistische, aber zugleich loyale Politik gegen√ľber dem Reich. Ein Hauptanliegen seiner Regierung war die Revision der Weimarer Reichsverfassung. 1924/25 kam es zu einem Konkordat mit dem Heiligen Stuhl. Bei den Landtagswahlen vom 24. 4. 1932 konnte die BVP ihre Position als st√§rkste Partei nur √§u√üerst knapp vor der NSDAP behaupten. Nach dem Regierungsantritt Hitlers im Reich (30. 1. 1933) setzte die von ihm gef√ľhrte nationalsozialistische Reichsregierung im Zuge ihrer Gleichschaltungspolitik General F. X. Ritter von Epp als Reichskommissar (9. 3.) beziehungsweise Reichsstatthalter (10. 4.) in Bayern ein. Bayern war nun v√∂llig dem Gesamtstaat unterworfen.
 
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Bayern im Mai 1945 zur amerikanischen Besatzungszone mit Ausnahme von Lindau und der bayerischen Pfalz (Pfalz), die der franz√∂sischen Besatzungszone zugeteilt wurden. 1946 gliederten die Besatzungsm√§chte die bayerische Pfalz dem neu geschaffenen Land Rheinland-Pfalz ein. Die amerikanische Milit√§rregierung ernannte im Mai 1945 F. Sch√§ffer (BVP, dann CSU), im September 1945 W. Hoegner (SPD) zum Ministerpr√§sidenten mit dem Auftrag, in Bayern die Entnazifizierung durchzuf√ľhren und eine neue, demokratisch strukturierte Landesverwaltung aufzubauen. Nach Gemeinde- und Kreistagswahlen f√ľhrte die Regierung im Juni 1946 Wahlen zu einer Verfassunggebenden Landesversammlung durch, die im Oktober 1946 eine neue Verfassung billigte. Diese trat im Dezember 1946 in Kraft.
 
Seit 1949 ist Bayern ein Land der Bundesrepublik Deutschland; am 20. 5. 1949 hatte jedoch der Landtag das GG abgelehnt, da er die bayerischen Eigenst√§ndigkeitsw√ľnsche nicht gen√ľgend ber√ľcksichtigt sah. Seit 1946 ist die Christlich-Soziale Union (CSU) die st√§rkste Partei im Land - 1946-50 und seit 1962 mit absoluterMehrheit; 1946-54 und 1957-66 bildete die CSU mit unterschiedlichen Partnern Regierungskoalitionen. Aus ihren Reihen kamen die Ministerpr√§sidenten J. G. Ehard (1946-54; 1960-62), H. Seidel (1957-60), A. Goppel (1962-78), F. J. Strau√ü (1978-88), M. Streibl (1988-93) und E. Stoiber (seit Mai 1993, in Wahlen best√§tigt 1994 und 1998). Die SPD ist die zweitst√§rkste Partei des Landes und stellte mit W. Hoegner 1954-57 den Ministerpr√§sidenten in Bayern.
 
Unter F. J. Strau√ü (1978-88) gewannen Bayern und die CSU auf Bundesebene sowie auch international verst√§rkte Bedeutung; die Umwandlung des ehemaligen Agrarstaats in ein Land mit moderner Wirtschaftsstrukur gelang. 1980 war Strau√ü gemeinsamer Kanzlerkandidat von CDU und CSU; blieb aber erfolglos. Besonders unter E. Stoiber konnte die erfolgreiche Entwicklung des Landes auf wirtschaftlichem, kulturellem und und sicherheitspolitischem Gebiet fortgesetzt werden; im Januar 2002 wurde der bayerische Ministerpr√§sident zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU f√ľr die Bundestagswahlen im September 2002 benannt.
 
 
F. J. Baumgärtner: B. (1963);
 O. Kuhn: Geologie von B. (31964);
 
Beiträge zur Landeskunde B.s u. der Alpenländer, hg. v. H.-G. Zimpel (1968);
 
Topographischer Atlas B., hg. vom Bayer. Landesvermessungsamt (1968);
 
Luftbildatlas B., hg. v. H. Fehn (1973);
 E. Deuerlein u. a.: Gesch. B.s (1975);
 
Freistaat B. Die polit. Wirklichkeit eines Landes der Bundesrep. Dtl., hg. v. R. A. Roth (1975);
 H. Einsle: Das B.-Lex.(1977);
 
Hb. der bayer. Gesch., hg. v. M. Spindler, 4 Bde. (2-31977-81);
 K. Bosl: Bayer. Gesch. (Neuausg. (1980);
 R. A. Roth: Freistaat B. Polit. Landeskunde (21994).
 

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Bay|ern; -s: Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.

Universal-Lexikon. 2012.

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